Zeit für neue Zahlungsmethoden

Die Frage bleibt natürlich, ob der Kunde sich selber richtig einschätzt, bei der Wahl der Zahlungsmethode... Das war leider oft nicht der Fall. Aber wie auch immer, denke ich, dass diese Art "sich bezahlen zu lassen" dazu beitragen kann, dass sich Kunden (wir alle sind ja irgendwo Kunden) mehr und mehr bewusst werden, dass die Zeit, da sie nicht selber denken und fühlen durften, langsam vorbei geht.

Als Selbständige, die verschiedene Dienstleistungen (Grafik-Design, Beratung, Prozessbegleitung) und auch Produkte wie Bücher anbietet, werde ich täglich damit konfrontiert, die Höhe des Geldes einzuschätzen, welches ich von meinen Kunden verlangen will.

Und immer wieder, seit über 20 Jahren, stelle ich fest, dass es nicht stimmig ist für mich, einen bestimmten Preis zu verlangen, sondern dass sich die Höhe meiner Honorierung ergeben sollte aus vielen Detaliles, nicht nur meinerseits, sondern auch Seitens des Kunden. Denn nur dann, wenn beide Seiten wirklich froh sind, fühlt es sich für mich stimmig an.

 

Ich probierte viele Sachen aus und merkte schnell, wenn ich feste Preise verlangte, die meine Kosten deckten und mir einen Gewinn bescherten, der wirklich ausreichend war - für ein entspanntes Leben, musste ich für Kunden arbeiten, die sich das leisten konnten und diese wiederum verdienten ihr Geld aber mit Dienstleistungen oder Produkten, die ich weder sinnvoll noch nützlich fand - sondern eher das Gefühl hatte, dass vor allem solche Sachen gut bezahlt wurden, die kein Mensch brauchte, die die Menschheit manipulierten, Bedürfnisse weckten wo keine waren und die Erde und Umwelt eher in den Ruin trieben. Daran wollte ich nicht beteiligt sein, in dem ich solche Firmen durch meine Arbeit unterstützte.

 

Leider gab es auf der anderen Seite der Medaille, dort wo das passierte, was ich hilfreich und spannend fand und wofür ich gern begeistert arbeiten wollte - kein Geld. In den Bereichen Kultur, alternative Projekte, kultur-kreative Selbständige... 

 

Inzwischen habe ich mein Leben so umgestellt, dass ich mit so wenig Euros wie möglich ein reiches und erfülltes Dasein habe. Weshalb ich mir erlauben kann, das zu arbeiten, was mich wirklich begeistert, jenseits davon, ob es bezahlt werden kann oder nicht.

Meist findet sich ein Gleichgewicht, denn wenn jeder das gibt, was er geben kann - was es ihm wert war, dann reicht es am Ende auch für mich.

Denn die Menschen sind sehr verschieden, die Einen geben grundsätzlich gern und viel, andere geben grundsätzlich nichts, wenn sie nicht müssen und wieder andere sind einfach unfähig, selbst zu fühlen, was es ihnen wert ist und selbstverantwortlich nach bestem Wissen und Gewissen zu bezahlen.

Inzwischen finde ich meist im Kundengespräch heraus, wie mein Kunde tickt - wo ich ihn in meinem Bezahlerfahrungsraum einordnen könnte und welche Art von Bezahlung ich vorschlagen würde.

 

Da ich aber die Verantwortung, die dem Kunden angemessene Zahlungsart herauszufinden, nicht allein tragen will, beziehe ich die Menschen mit ein, für die ich arbeite.

 

Mein Gefühl ist, dass es nicht immer stimmig ist, dem Kunden ganz allein die Entscheidung über die Höhe der Zahlung zu überlassen - auch wenn mir das oft am liebsten ist. Aber ich weiß inzwischen, dass viele dazu einfach nicht in der Lage sind, weshalb ich bereit bin, auch Vorgaben zu machen, um so zu einem für beide Seiten optimalen Ergebnis zu kommen.

 

Die Frage bleibt natürlich, ob der Kunde sich selber richtig einschätzt, bei der Wahl der Zahlungsmethode... Das war leider oft nicht der Fall. Aber wie auch immer, denke ich, dass diese Art "sich bezahlen zu lassen" dazu beitragen kann, dass sich Kunden (wir alle sind ja irgendwo Kunden) mehr und mehr bewusst werden, dass die Zeit, da sie nicht selber denken und fühlen durften, langsam vorbei geht.

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Kommentare: 1
  • #1

    Marion (Samstag, 06 Juni 2015 20:30)

    Das kann ich so gut nachvollziehen..mir geht es genauso1 Am liebsten wäre es mir wenn einfaqch jeder der möchte alles von mir bekommt was ihn interesseirt und ich mir halt auch die Dinge nehmen kann die ich brauche ich habe z.b inzwischen angefangen auf meiner Website viele Rezepte und anleitungen kostenlos zu veröffentlichen f¨r die Leute die sich keine Kurse leisten können..habe aber auch die Erfahrung gemacht, wenn ich mal was der Selbsteinschätzung überlassen habe, dass diejenigen die am meisten Kohle haben einfach aus Geiz-ist-Geil Überzeugung egal wieviel ihnen der Kurs gebracht hat, so wenig wie möglich bezahlen. Ich selbst habe sicher so ein ähnliches Verhältnis zu Geld wie du.. Ich brauche einige Dinge um ein gutes Leben zu führen, wenn ich die Dinge ohne Geldfluss bekomme umso besser wenn ich Geld bekomme um sie so zu kaufen... naja auch gut .. Ich denk eher in Dingen etc als in Geld..