Ich bin

Ich bin

 

Ich bin der Geist, der alles fühlt,

bin das Erschrecken, das in mir wühlt,

bin das Erkennen und Benennen,

bin das Feuer beim Verbrennen.

Ich bin das Schwanken,

bin die Gedanken,

bin das Suchen und Finden

bin das Verbinden

bin das stumme Verschwinden.


Ich bin der leise Hauch,

bin der kräuselnde Rauch,

bin die frische Briese,

bin die duftende Wiese.

 

Ich bin, was ich sehe,

bin der Weg, auf dem ich gehe

bin der wankende Grund,

bin der tiefe Schlund.

 

Ich bin der Schreck beim Fallen,

bin der Tanz in allem,

bin das blinde Sehen,

bin das Verstehen.

 

Ich bin der Schlaf in der Nacht,

bin die, die erwacht,

bin beglückt und beschenk,

bin die, die das denkt.

 

Ich bin die Stimme in deinem Herz,

bin der Schmerz.

 

Ich bin das Große und das Kleine,

ich bin alleine,

bin hoch, tief und breit,

bin der geschlichtete Streit.

 

Ich bin das liebevolle weben,

bin das Schweben, und das daneben

bin das unendliche Fragen,

bin das Klagen,

bin das schwere Lasten tragen.

 

Ich bin das ruhelose Ticken,

bin das entspannte Nicken,

bin die Neugier und der Mut,

bin die unterdrückte Wut

bin immer gut.

 

Ich bin die Frau im Mann,

bin seliger Klang,

bin sanftes Schwingen,

bin fröhliches Klingen.

 

Ich bin die, die hier sitz,

bin die Vertiefung im Ritz,

bin das Flüstern im Wind,

bin das unverstandene Kind.

 

Ich bin der Schmerz im Kopf,

bin der wippende Zopf,

bin das was schreibt,

bin was ewig bleibt,

bin die Zeit.

 

Ich bin der Tanz durchs Leben,

bin das freudige Geben,

bin das Gelbe vom Ei,

bin nicht eins, sondern zwei,

oder drei ?

 

Ich bin alles, bin viele,

bin das Bohnerwachs auf der Diele,

bin die Faser in meinem Kleid,

bin im Feuer der Scheit.

 

Ich bin die süße Stille,

bin der eiserne Wille,

bin das liederliche Leben,

bin das Vergeben.

 

Ich bin das Haar an deiner Braue,

bin das Haus was ich baue,

bin Hund und Katze

bin die gefährliche Tatze.

 

Ich bin der köstliche Wein,

bin das so Sein,

bin gestern, bin heute,

bin alle Leute.

 

Ich bin der stille Genuss,

bin der zarte Kuss,

bin der alte Mann mit Krücken,

bin der Pickel auf meinem Rücken.

  

Ich bin deine Sorgen,

bin jetzt und nicht morgen,

bin mit allem verbunden

bin deiner Füße Schrunden,

bin all deine Wunden.

 

Ich bin das alberne Lachen,

bin des Erdbebens Krachen,

bin die prickelnde Lust,

bin schrecklicher Frust.

 

Ich bin mein zu Hause,

bin zwischen der Arbeit die Pause,

bin satt und zufrieden,

bin das Lieben.

 

Ich bin die Gans im Ofen,

bin die vielen Strophen,

bin das bunte Geschenk,

bin das - was denkt.

 

Ich bin das was fühlt,

bin der Sekt gut gekühlt,

bin euer Kind,

bin das was beginnt.

 

Bin ein Mensch,

bin rastlose Ruh,

bin auch du.
 
(von Grit Scholz 2012)

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